Freundeskreis Herforder Bismarckturm e. V.
Die Geschichte des Herforder Bismarckturms - Von der Planung bis heute Der Herforder Bismarckturm gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Hansestadt Herford. Hoch oben auf dem Stuckenberg gelegen, prägt er seit mehr als einem Jahrhundert die Landschaft des Ravensberger Landes und ist zugleich ein bedeutendes Denkmal deutscher Geschichte sowie ein beliebtes Ausflugsziel für Bürgerinnen und Bürger der Region. Die Idee eines Aussichtsturmes (1887) Bereits im Jahr 1887 gab es erste Überlegungen, auf dem Stuckenberg einen Aussichtsturm zu errichten. Das Projekt wurde jedoch zunächst nicht umgesetzt. Der Stuckenberg bot mit seiner Höhe und seiner Lage einen idealen Standort für einen Aussichtspunkt über Herford und das Ravensberger Hügelland, doch fehlten damals die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für den Bau. Der Bismarck-Kult und die neue Initiative Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland ein ausgeprägter Bismarck-Kult. Otto von Bismarck, der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, wurde vielerorts mit Denkmälern, Säulen und Türmen geehrt. Nach seinem Tod im Jahr 1898 entstanden in vielen Städten sogenannte Bismarcktürme als Erinnerungs- und Nationaldenkmäler. Auch in Herford griffen engagierte Bürger diese Idee auf. Am 26. Oktober 1904 trafen sich mehrere angesehene Herforder Persönlichkeiten im damaligen Hotel Görges, um über den Bau eines Bismarckturmes zu beraten. Bei diesem Treffen wurde ein Ausschuss gegründet, der die Planung und Finanzierung des Bauwerks organisieren sollte. Vorsitzender wurde der Oberlehrer Dr. Contze. Innerhalb kurzer Zeit gelang es dem Ausschuss, erhebliche Spendengelder zu sammeln. Bereits wenige Wochen später standen rund 7.500 Mark zur Verfügung. Damit konnte am 25. November 1904 der endgültige Beschluss zum Bau des Turmes gefasst werden. Planung und Finanzierung Die Finanzierung des Bauprojekts erfolgte vollständig über Spenden der Bevölkerung. Bürger aus Herford und Umgebung beteiligten sich ebenso wie Unterstützer aus dem Ausland, unter anderem aus den USA. Insgesamt beliefen sich die Baukosten schließlich auf etwa 15.500 Mark – eine beachtliche Summe für die damalige Zeit. Der Bauplatz wurde auf dem Stuckenberg ausgewählt, einer etwa 213 Meter hohen Erhebung östlich der Stadt Herford. Von hier aus sollte der Turm nicht nur einen weiten Blick über die Region ermöglichen, sondern auch symbolisch mit anderen Bismarcktürmen verbunden sein – etwa mit dem Turm auf dem Jakobsberg bei Porta Westfalica. Für die architektonische Gestaltung schrieb man einen Wettbewerb aus. Der Zuschlag ging an den Architekten Wilhelm Oldemeyer aus Spenge, dessen Entwurf schließlich umgesetzt wurde. Bau des Turmes (1906) Am 1. April 1906 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung des Herforder Bismarckturmes. Den Bau übernahm die Herforder Firma Althoff & Lakemeier. Als Baumaterial diente regionaler Sandstein, der aus einem Steinbruch der Umgebung stammte. Für den Transport der schweren Steine wurde sogar eine eigene Lorenbahn von Exter zum Stuckenberg eingerichtet. Der Turm wurde innerhalb weniger Monate fertiggestellt. Am 2. September 1906 fand die feierliche Einweihung statt. Rund 5.000 Menschen nahmen an diesem Ereignis teil – ein Zeichen dafür, welche Bedeutung der Turm damals für die Bevölkerung hatte. Im Grundstein wurde eine Urkunde eingemauert, die den nationalen Gedanken der Zeit widerspiegelt. Darin heißt es sinngemäß, der Turm solle über Jahrhunderte hinweg an die Einheit Deutschlands erinnern und das Andenken an Otto von Bismarck wachhalten. Architektur und Bauweise Der Turm besitzt einen quadratischen Grundriss und erreicht eine Höhe von 23,33 Metern. Über eine Innentreppe mit insgesamt 111 Stufen gelangt man auf zwei Aussichtsplattformen. Die erste Plattform befindet sich in etwa 18 Metern Höhe, während die obere Plattform in rund 22 Metern Höhe liegt. Ursprünglich war der Turm auch als Feuersäule konzipiert. Auf der Spitze befand sich eine große Feuerschale mit einem Durchmesser von etwa 3,5 Metern. Zu besonderen Anlässen – etwa zum Geburtstag Bismarcks oder zur Sommersonnenwende – wurden hier weithin sichtbare Feuer entzündet. Nutzung in der Zeit des Nationalsozialismus Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gelände rund um den Turm teilweise für propagandistische Veranstaltungen genutzt. Vor dem Turm entstand eine Sportanlage mit Laufbahn und Weitsprunggruben, auf der regelmäßig Veranstaltungen der Hitlerjugend stattfanden. Auch ideologisch geprägte Feiern wurden hier abgehalten. Diese Phase gehört zu den historischen Kapiteln, die heute kritisch betrachtet werden und Teil der Erinnerungskultur sind. Nachkriegszeit und Denkmalschutz Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Bismarckturm ein beliebtes Ausflugsziel für die Bevölkerung der Region. Im Laufe der Jahrzehnte kam es jedoch immer wieder zu Schäden und Vandalismus. Im Jahr 1992 wurde der Turm offiziell unter Denkmalschutz gestellt, wodurch seine historische Bedeutung anerkannt und sein langfristiger Erhalt gesichert wurde. Bereits ein Jahr später erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Bauwerks, nachdem es zuvor beschädigt worden war. Dennoch blieb der Turm zunächst für Besucher geschlossen. Gründung des Freundeskreises (1996) Ein entscheidender Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des Turmes war die Gründung des Freundeskreises Herforder Bismarckturm e. V. im Jahr 1996. Engagierte Bürgerinnen und Bürger setzten sich das Ziel, den Turm zu erhalten und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Durch ehrenamtliche Arbeit, Spendenaktionen und zahlreiche Veranstaltungen gelang es dem Verein, das Denkmal nachhaltig zu sichern. Ohne dieses Engagement wäre der Turm vermutlich weiter verfallen oder möglicherweise sogar abgerissen worden. Heute öffnet der Freundeskreis den Turm regelmäßig für Besucher – meist an jedem ersten, dritten und fünften Sonntag sowie an den Feiertagen von April bis Oktober. Erweiterungen und Jubiläen Im Jahr 2002 wurde am Turm eine Schutzhütte errichtet, die Besuchern als Treffpunkt und Rastplatz dient. Sie wurde am 16. Juni 2002 offiziell eingeweiht. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2006 fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Unter den Ehrengästen befand sich sogar Ferdinand von Bismarck, ein Nachfahre des ehemaligen Reichskanzlers.

V06.04.00

Freundeskreis Herforder Bismarckturm e. V.
Die Geschichte des Herforder Bismarckturms - Von der Planung bis heute Der Herforder Bismarckturm gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Hansestadt Herford. Hoch oben auf dem Stuckenberg gelegen, prägt er seit mehr als einem Jahrhundert die Landschaft des Ravensberger Landes und ist zugleich ein bedeutendes Denkmal deutscher Geschichte sowie ein beliebtes Ausflugsziel für Bürgerinnen und Bürger der Region. Die Idee eines Aussichtsturmes (1887) Bereits im Jahr 1887 gab es erste Überlegungen, auf dem Stuckenberg einen Aussichtsturm zu errichten. Das Projekt wurde jedoch zunächst nicht umgesetzt. Der Stuckenberg bot mit seiner Höhe und seiner Lage einen idealen Standort für einen Aussichtspunkt über Herford und das Ravensberger Hügelland, doch fehlten damals die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für den Bau. Der Bismarck-Kult und die neue Initiative Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland ein ausgeprägter Bismarck-Kult. Otto von Bismarck, der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, wurde vielerorts mit Denkmälern, Säulen und Türmen geehrt. Nach seinem Tod im Jahr 1898 entstanden in vielen Städten sogenannte Bismarcktürme als Erinnerungs- und Nationaldenkmäler. Auch in Herford griffen engagierte Bürger diese Idee auf. Am 26. Oktober 1904 trafen sich mehrere angesehene Herforder Persönlichkeiten im damaligen Hotel Görges, um über den Bau eines Bismarckturmes zu beraten. Bei diesem Treffen wurde ein Ausschuss gegründet, der die Planung und Finanzierung des Bauwerks organisieren sollte. Vorsitzender wurde der Oberlehrer Dr. Contze. Innerhalb kurzer Zeit gelang es dem Ausschuss, erhebliche Spendengelder zu sammeln. Bereits wenige Wochen später standen rund 7.500 Mark zur Verfügung. Damit konnte am 25. November 1904 der endgültige Beschluss zum Bau des Turmes gefasst werden. Planung und Finanzierung Die Finanzierung des Bauprojekts erfolgte vollständig über Spenden der Bevölkerung. Bürger aus Herford und Umgebung beteiligten sich ebenso wie Unterstützer aus dem Ausland, unter anderem aus den USA. Insgesamt beliefen sich die Baukosten schließlich auf etwa 15.500 Mark – eine beachtliche Summe für die damalige Zeit. Der Bauplatz wurde auf dem Stuckenberg ausgewählt, einer etwa 213 Meter hohen Erhebung östlich der Stadt Herford. Von hier aus sollte der Turm nicht nur einen weiten Blick über die Region ermöglichen, sondern auch symbolisch mit anderen Bismarcktürmen verbunden sein – etwa mit dem Turm auf dem Jakobsberg bei Porta Westfalica. Für die architektonische Gestaltung schrieb man einen Wettbewerb aus. Der Zuschlag ging an den Architekten Wilhelm Oldemeyer aus Spenge, dessen Entwurf schließlich umgesetzt wurde. Bau des Turmes (1906) Am 1. April 1906 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung des Herforder Bismarckturmes. Den Bau übernahm die Herforder Firma Althoff & Lakemeier. Als Baumaterial diente regionaler Sandstein, der aus einem Steinbruch der Umgebung stammte. Für den Transport der schweren Steine wurde sogar eine eigene Lorenbahn von Exter zum Stuckenberg eingerichtet. Der Turm wurde innerhalb weniger Monate fertiggestellt. Am 2. September 1906 fand die feierliche Einweihung statt. Rund 5.000 Menschen nahmen an diesem Ereignis teil – ein Zeichen dafür, welche Bedeutung der Turm damals für die Bevölkerung hatte. Im Grundstein wurde eine Urkunde eingemauert, die den nationalen Gedanken der Zeit widerspiegelt. Darin heißt es sinngemäß, der Turm solle über Jahrhunderte hinweg an die Einheit Deutschlands erinnern und das Andenken an Otto von Bismarck wachhalten. Architektur und Bauweise Der Turm besitzt einen quadratischen Grundriss und erreicht eine Höhe von 23,33 Metern. Über eine Innentreppe mit insgesamt 111 Stufen gelangt man auf zwei Aussichtsplattformen. Die erste Plattform befindet sich in etwa 18 Metern Höhe, während die obere Plattform in rund 22 Metern Höhe liegt. Ursprünglich war der Turm auch als Feuersäule konzipiert. Auf der Spitze befand sich eine große Feuerschale mit einem Durchmesser von etwa 3,5 Metern. Zu besonderen Anlässen – etwa zum Geburtstag Bismarcks oder zur Sommersonnenwende – wurden hier weithin sichtbare Feuer entzündet. Nutzung in der Zeit des Nationalsozialismus Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gelände rund um den Turm teilweise für propagandistische Veranstaltungen genutzt. Vor dem Turm entstand eine Sportanlage mit Laufbahn und Weitsprunggruben, auf der regelmäßig Veranstaltungen der Hitlerjugend stattfanden. Auch ideologisch geprägte Feiern wurden hier abgehalten. Diese Phase gehört zu den historischen Kapiteln, die heute kritisch betrachtet werden und Teil der Erinnerungskultur sind. Nachkriegszeit und Denkmalschutz Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Bismarckturm ein beliebtes Ausflugsziel für die Bevölkerung der Region. Im Laufe der Jahrzehnte kam es jedoch immer wieder zu Schäden und Vandalismus. Im Jahr 1992 wurde der Turm offiziell unter Denkmalschutz gestellt, wodurch seine historische Bedeutung anerkannt und sein langfristiger Erhalt gesichert wurde. Bereits ein Jahr später erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Bauwerks, nachdem es zuvor beschädigt worden war. Dennoch blieb der Turm zunächst für Besucher geschlossen. Gründung des Freundeskreises (1996) Ein entscheidender Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des Turmes war die Gründung des Freundeskreises Herforder Bismarckturm e. V. im Jahr 1996. Engagierte Bürgerinnen und Bürger setzten sich das Ziel, den Turm zu erhalten und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Durch ehrenamtliche Arbeit, Spendenaktionen und zahlreiche Veranstaltungen gelang es dem Verein, das Denkmal nachhaltig zu sichern. Ohne dieses Engagement wäre der Turm vermutlich weiter verfallen oder möglicherweise sogar abgerissen worden. Heute öffnet der Freundeskreis den Turm regelmäßig für Besucher – meist an jedem ersten, dritten und fünften Sonntag sowie an den Feiertagen von April bis Oktober. Erweiterungen und Jubiläen Im Jahr 2002 wurde am Turm eine Schutzhütte errichtet, die Besuchern als Treffpunkt und Rastplatz dient. Sie wurde am 16. Juni 2002 offiziell eingeweiht. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2006 fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Unter den Ehrengästen befand sich sogar Ferdinand von Bismarck, ein Nachfahre des ehemaligen Reichskanzlers.